Jule Buerjes

Originalton für Filme und für Fernsehen

Das Tonmachen

Der Klangkünstler Budhaditya Chattopadhyay beschreibt, wie er auf der Suche nach dem Klang der Großstadt Bangalore ist. Er verbringt Wochen mit genauestem Zuhören und Abwägen, bis er schließlich die Gelegenheit ergreift und sich einer Gruppe junger Aktivisten anschließt, die einen Film über die migrantischen Wanderarbeiter auf den Großbaustellen von Bangalore machen wollen. Er schnappt sich seinen Rekorder und sein Stereomikrofon und schreibt darüber später:

[…] Ich [kann] endlich auf die Jagd gehen nach dem Klang der Großstadt, den ich die ganze Zeit auszumachen versuche.
Das erste, was ich aufnehme, ist das industrielle Dröhnen mit dem repetetiven Rhythmus von Maschinen auf einer der geschäftigsten Metrobaustellen. Hier gibt es kein ver­schwommenes Hören, keinen Aufschub durch Gedankenspiele, kein Philosophieren über Fachfragen des Auditiven – die unmittelbare Gegenwärtigkeit will sofort in das Auf­nahme­medium eindringen und wird alsbald in Wellenformen umgewandelt, […] das Aufnehmen wird zu einer durchdringenden Handlung, ein Moment fließt in den nächsten, die Spuren verweben sich ineinander in natürlicher Überblendung. Es fällt schwer, den sich verdichtenden Prozess des Field Recordings bewusst zu unterbrechen; die Handlungen werden immer instinktiver und das Mikrofon wird mehr und mehr zu einer Fortsetzung des Körpers (McLuhan, 2003) […]

Budhaditya Chattopadhyay • Auf Klangsuche in einer Grossstadt, 2012 veröffentlicht in Field Notes #3, übersetzt von Daniel Schiller.

Was ich an diesem Text so mag: er beschreibt das „Tonmachen“ als einen Prozess und als körperliche Erfahrung. Für mich hat das viel mit Intuition zu tun (zumindest in der dokumentarischen Arbeit). Ich selbst stelle mir Klänge als etwas Flüssiges vor.

The Making of Sound

As the artist Budhaditya Chattopadhyay describes himself hunting for the sounds of Bangalore, he writes how he spends several weeks with pure listenig. Eventually, one day he happens to meet a group of young activists, who work on a film about the migrant workers on the giant construction sites of  Banglore – and joins the film crew to contri­bute with his stereo microphone and his recorder:

[…] I finally set out to hunt down the sound of the city that 
I am trying to figure out so far.
As a straightforward approach, the first thing that prompts me to record is the industrial drone within the repetitive rhythm of machines at one of the busiest metro construction sites. There is no more obscure listening, no more indulging in a thought process of pro­crastination, no more philosophizing the auditory faculty; the immediate actuality is of urgent need to enter into the recording medium and gets signaled down as wave scrip­tures; […] the act of recording sound becomes an immersive activity; one event merges into another, keeping residue of the natural crossfades entangled with each other; it becomes difficult to take a conscious pause in the intensifying process of field recording as the act gets more instinctive in its execution, and the microphone increasingly becomes an extension of man (McLuhan, 2003) […]

Budhaditya Chattopadhyay • Soundhunting in a City, published in 2012, Field Notes #3.

What I like about this text is, that it reflects the “making of sound“ as a process and as a physical experience. I share the vision of intuitve work (in documentaries, at least). In my imagination sound is something liquid.